Bisphenol A – was kann ich tun? (Teil 2/2)

20150228_175511Ok – BPA kann Krebs verursachen und unfruchtbar machen. Und jetzt? Was ist mit Waren aus dem Biosupermarkt? Oder mit Tupperschüsseln? Und überhaupt: Kann ich noch Pesto oder eingeschweißten Käse kaufen? Tücken und Tricks rund um BPA & Co.

 

 

Auf meiner Trekkingflasche steht „BPA-frei“ – ist das besser?

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BPA-frei heißt nicht unbedenklich…

Nein, denn statt BPA sind dann Ersatzstoffe drin wie zum Beispiel Bisphenol S. Klingt so ähnlich – wirkt so ähnlich – zumindest wenn’s um unsere Gesundheit geht. Sprich – BPS ist keinen Deut besser als BPA! Forscher sind gerade dabei, das zu beweisen. Vorne mit dabei ist Deborah Kurrasch von der Universität Calgary in Kanada.

Die Neurologin hat an Zebrafischen gezeigt: BPS ist noch schlimmer als BPA. Nach dem leckeren Fraß von BPS sind die Nervenzellen der Fische um 240 Prozent schneller gewachsen. So könnten Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern entstehen. Bei BPA haben sich die Zellen übrigens „nur“ um 180 Prozent schneller vermehrt.

Der Trick: Der Sticker „BPA-frei“ heisst nicht „BPS-frei“. Beim Sticker „Bisphenol-frei“ sollte aber beides nicht drin sein – das wäre die Nummer sicher – sofern das überhaupt geht…

Was ist mit Tupperware? Die Antwort der Firma ist großartig…

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Lebensmittelecht heißt nicht ohne BPA!

…genauer: Tupperware hält sich bedeckt. Dreht doch mal eure Tupperschüssel um und sucht einen Plastikcode! Fehlanzeige? Aber ich wette alle Bildchen zu Mikrowellenfestigkeit und Spülmaschinentauglichkeit sind drauf! Nächster Schritt: Geht auf die Webseite http://www.tupperware.de/produkte/wissenswertes. Exakt, man sucht sich einen Wolf um rauszufinden, was für Inhaltsstoffe in den Gefäßen sind. Also hat #IchNehmsOhne mal nachgefragt…

 

Tupperware auf Anfrage von #IchNehmsOhne

Die Antwort: Was soll diese Aufregung um BPA: „Bisphenol A wird seit mehr als 40 Jahren benutzt und ist einer der am intensivsten erforschten Stoffe. Die Mehrzahl der Experten stimmt in ihren Forschungsergebnissen darin überein, dass Bisphenol A für den beabsichtigten Gebrauch, insbesondere auch im Lebensmittelbereich, unbedenklich ist.“ Das schreibt Tupperware auf unsere Anfrage.

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Lupe bringt nichts! Hier ist kein Plastikcode drauf…

Und weiter: „Gerne beantworten wir, warum Sie Ihre Tupperware-Produkte aus Polycarbonat weiterhin unbesorgt verwenden können.“ Wie jetzt? Das heißt also es gibt Tupperschüsseln aus PC = Plastikcode 7? Die Krux bei PC ist: Wenn für die Herstellung von Polycarbonat BPA verwendet wurde, kann das beim Erhitzen freigesetzt werden. Aber es geht noch weiter: „Wir verweisen auf den Stand der internationalen Forschung und die offiziellen Verlautbarungen der nationalen und internationalen Behörden in der EU, den USA und Japan, die übereinstimmend besagen, dass Produkte, die mit Bisphenol A hergestellt wurden, keinerlei Bedrohung für die menschliche Gesundheit darstellen.“

Übrigens: Wir haben nochmal nachgehakt – nachdem sie ja selbst zwischen den Zeilen schreiben, dass sie doch BPA haltige Produkte haben – welche genau das sind. Guess what – bis heute keine Antwort! Und noch was: Exakt den gleichen Text als Antwort hat Tupperware vor einiger Zeit dem Autor Hannes Jaenicke (die große Volksverarsche) geschickt.  Hier gibt’s mehr dazu.

Fazit – wer Tuppeware glaubt kann bedenkenlos alles weiter verwenden. Wer zwischen den Zeilen liest, ist vorsichtig. Und ein Trick: Kauft Tupper in Frankreich, dort garantiert die Firma seit 2012, dass ihre Schüsseln kein BPA enthalten (weil sie nicht mehr dürfen, schon gar nicht mehr seit 2015…voilà, es geht doch!). Was anstatt BPA jedoch drin ist – keine Ahnung!

Biosupermärkte wie Basic und Denn’s verkaufen auch Dosen – sind die ok?

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Zwar Bio aber trotzdem mit BPA!

Nein, sind sie nicht – und das geben die Läden selbst zu. Auf die Nachfrage von #IchNehmsOhne schreibt Basic: „In Konserven mit Innenbeschichtung kommt BPA vor, (…)so auch bei der Basic-Kokosmilch. (…) Unsere Lieferanten arbeiten intensiv an der Qualifikation und Verbesserung von BPA-freien Alternativlacken.“

Denn’s schreibt (auf die konkrete Frage zur Kokosmilchdose der Eigenmarke): „Es gibt seit noch nicht allzu langer Zeit PVC-freie Dosen auf dem Markt. Wir sind natürlich bestrebt, diesen Kunststoff so schnell wie möglich bei unseren Produkten einzusetzen und haben bereits Kontakt mit unseren Herstellern diesbezüglich aufgenommen, jedoch ist die Produktionsmenge derzeit noch stark begrenzt. Wir haben unsere Lieferanten angehalten, bei ihren Lieferanten für die Dosen darauf zu achten, dass nur minimale Mengen der Weichmacher in den Dosen enthalten sind.“

Auf den Vorschlag von #IchNehmsOhne, doch Kokosmilch in Tetra Paks zu verkaufen, kam von Basic: Wir werden das intern prüfen, ob ein Wechsel auf Tetra Pak eine sinnvolle Alternative sein kann. Und #IchNehmsOhne wird prüfen was die Prüfung denn so ergeben hat…

Was ist denn mit Butter, Pesto und abgepacktem Käse?

Da ist zwar nicht unbedingt BPA drin aber dafür DEHP – ein Weichmacher, der auch hormonähnlich wirkt und die Fortpflanzungsfähigkeit beeinflusst. Schaut auch mal das NDR-Video an: Eine Familie hat eine Woche lang eine „Plastik-Diät“ gemacht.

Wieviele Weichmacher im Körper sind, zeigt ein Vorher-Nachher-Test. Bei Minute 7.42 wird’s richtig lustig – mal sehen wer danach noch Lust auf Geramont, St Albray oder Kerrygold hat…

Was ist überhaupt DEHP und wo ist es drin?

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Zwar kein BPA drin aber DEHP!

Einer der am häufigsten verwendeten Weichmacher. Er macht Plastik biegsam, dehnbar und geschmeidig und verhindert, dass es spröde wird. Der Knackpunkt: DEHP ist gut fettlöslich. Deshalb gilt: Je fettiger das Lebensmittel, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass du DEHP mitisst: abgepackte Wurst, eingeschweißter Käse, Majo in der Plastiktube…

Was kann ich jetzt tun wenn ich BPA, DEHP und andere Weichmacher verhindern will?

Keine Dosen kaufen! Um auf Nummer Sicher zu gehen so wenig wie möglich abgepackten Käse oder Wurst kaufen. Mikrowellengeschirr rauswerfen. Plastiklöffel etc. vermeiden.

Plastikbehälter sollten nicht aus Policarbonat (PC) bestehen, denn PC wird unter anderem aus BPA hergestellt. Vermeide also den Plastikcode mit der Ziffer 7!

Alternativen zu Plastik nutzen:

Glasbehälter von z.B. Lumiarc

Weckgläser

Edelstahlbehälter z.B. Lunchbots

Wie immer freuen wir uns auf eure Erfahrungen und Tipps!

Miriam

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Über ichnehmsohne

Der Blog wird verantwortet und geführt von Julia, Miriam und Christine.
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14 Antworten zu Bisphenol A – was kann ich tun? (Teil 2/2)

  1. Misses Hippie schreibt:

    Dieses Plastik kann einem echt den Verstand rauben, was! Ich frage mich auch immer wieder wie sehr die Industrie einen verarschen kann!
    Sehr ausführlicher und guter Text. Danke!

  2. Daniel Ruf schreibt:

    Bisphenole können problemlos ersetzt werden! Gerade bei Thermopapier für Kassenquittungen gibt es heute viel bessere Papiere! Allerdings kommt Thermopapier nie ohne Chemie aus. Aber hormonwirksame Stoffe gehören nicht in die Umwelt!
    Meine Firma produziert hier in der Schweiz Thermorollen für Kassen, Eurocardgeräte usw.
    Alle aus minimum BPA-freiem oder meist sogar vollständig Phenolfreiem Papier. Diese sind auch nicht teurer als die Standardpapiere. Das Papier stammt aus Finnland, den Meistern der Papierherstellung!
    Zudem ist es so, dass z.B. Thermopapiere der Firma Hansol in Südkorea produziert werden! Dann über tausende Kilometer nach Deutschland / Dänemark an die Schades-Group gefahren, verschifft und wieder gefahren und schlussendlich als fertige Kassenrollen in die Schweiz gefahren werden! Ökologischer Fussabdruck grösser als die Fläche der ganzen Papierrolle!
    Es wäre endlich Zeit, das Phenol-Zeugs grundsätzlich zu verbieten! Man kann es schon in fast allen Flüssen, Seen, ja sogar im Grundwasser nachweisen! Die Europäische Lenensmittelbehörde hat kürzlich den Grenzwert massiv gesenkt, wegen Unsicherheiten gegenüber vielen menschlichen Organen!

  3. Marille Gruenblatt schreibt:

    Vielen Dank für diesen informativen Bericht! Wenn mich nicht alles täuscht, sind Tetra-pak-Verpackungen aber auch nicht gerade unbedenklich (Rückstände von Chemikalien, die beim Druckprozess Verwendung finden) – bzw. ist bei Saftpackungen auf der Innenseite nicht auch eine Plastikschicht?
    Lieben Gruß!

    • ichnehmsohne schreibt:

      Liebe Zimtblume,

      vielen Dank! Ja – das mit Tetra Paks ist in der Tat knifflig. Denn nach unserer Recherche sind sie eben nicht wirklich unbedenklich. Wir haben dazu den AID (aid infodienst Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz e. V.)angeschrieben. Deren Antwort war: „Getränkekartons enthalten keine Weichmacher. Sie können damit verpackte Lebensmittel verwenden.Es gibt zwei Weichmacher, die laut BfR nicht mehr in Lebensmittelverpackungen eingesetzt werden dürfen, dies sind DEHP und DBP. Andere, weniger kritische Weichmacher dürfen weiterhin eingesetzt werden. Welche das im Einzelnen sind, können Sie beim BfR erfragen.“ Wir interpretieren daraus: Ja, wenn die Tetra Paks aus Deutschland kommen und nach deutschen Richtlinien kontrolliert werden scheinen sie halbwegs ok zu sein. Aber wie oft ist das der Fall? Wenn du magst – hier der link zu unserer Anfrage: http://www.was-wir-essen.de/forum/index.php/forum/showExpMessage/id/47028
      Viele Grüße!
      Miriam

    • ichnehmsohne schreibt:

      Exakt! Ja, es ist nicht unbedenklich!

    • Martina schreibt:

      Bei Kokosmilch kann man ganz einfach Dosen und Tetra-pak umgehen: Viele Bio-Firmen bieten Kokosmus im Glas an. Kokosmus ist das Konzentrat, aus dem meines wissens dann die Kokosmilch durch verdünnen erzeugt wird. Ich verwende also einfach Kokosmus und gebe selbst die gewünschte Flüssigkeit in die Speise dazu. Das spart zusätzlich noch den massenweisen Transport von unnötiger Flüssigkeit – Wasser hab ich selber daheim.
      lg
      Martina

      • ichnehmsohne schreibt:

        Hallo Martina,

        super Tipp! Ich habe gerade mal geschaut – Kokosmus gibt es echt im Glas. Und da die Begriffe Kokosmus, Kokosöl und Kokosmilch ein bisschen verwirrend sind hier nochmal für alle: Kokosmus = Fruchtfleisch zermahlen. Kokosmilch = Fluchtfleich zermahlen, mit Wasser verdünnt und konserviert. Kokosöl = getocknetes Fruchfleich gepresst.
        Wenn du noch mehr auf Lager hast, immer gerne!
        Viele Grüße,
        Miriam

      • Fussel schreibt:

        „Fluchtfleich“ ist ja niedlich 😉

        Abgesehen davon: bei Kokosmilch wird nicht einfach nur verdünnt, sondern das zermahlene Fruchtfleisch wird mit Wasser aufgegossen und die festen Reste irgendwann abgeseiht/gepresst, so dass man nur die cremige Milch übrigbehält. Aber es ist halt nicht nur das Fett, was man drin hat, sondern auch wasserlösliche Bestandteile.

        Das Kokosmus zu verwenden ist aber eine prima Idee! Ich koch gern indisch und ab und zu hab ich auch gern mal Saucen mit Kokosmilch und wußte immer nicht, wie ich da das Plastik umgehen kann.

  4. Jürgen schreibt:

    Mahlzeit!
    Kann sein, dass ich es überlesen habe,
    aber was ist mit den Getränkeflaschen?

    Ich vermute dass Mehrweg PET Flaschen günstiger sind vom freigeben von Inhaltsstoffen (wird ja weniger über die Lebensdauer), als 1xSchredderflaschen mit 25cent, die jedesmal „frische Hormone“ ausdünsten. Am besten/schwersten wohl Glasflaschen, da ist ja nur im Deckel die Dichtung…

    • ichnehmsohne schreibt:

      Hallo Jürgen, danke für die Anregung! Unsere Recherchelage zu Flaschen ist folgende: PET Flaschen enthalten wohl kein BPA. Allerdings Dimethyldicarbonat (DMDC). Um PET-Flaschen keimfrei abzufüllen kann die einzufüllende Flüssigkeit nicht, wie bei Glasflaschen üblich, heiß abgefüllt werden – sondern kalt. Zur „Kalt-Entkeimung“ wird DMDC verwendet. Das soll sich angeblich abbauen – aber es gibt Studien, die sagen, dass es Krebs auslöst. Angeblich sind aber PET Falschen mit 15 ct Pfand noch besser als die mit 25 ct!Glas liegt immer noch vorne!
      Viele Grüße, Miriam

  5. Hallo!

    Vielen Dank für die 2teilige Miniserie über Bisphenol A, die sehr schön zeigt, dass Plastik wirklich ein sehr unerfreuliches Thema ist. Nicht nur von der Müllseite her, weil es so lange braucht um zu verrotten sondern vor allem auch deshalb, weil es ein Stoff ist, der sehr schädlich für den Körper sein kann.

    lg
    Maria

  6. Hat dies auf Fundstücke aus dem Internet rebloggt und kommentierte:
    Und hier kommt der 2. Teil – ausgesprochen informativ und unbedingt lesenswert!

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