EINweg, MEHRweg, AUSweg?!

2014-01-11 12.06.19Vor unserem Experiment #IchNehmsOhne haben wir uns oft die Frage gestellt: Was fällt denn nun alles unter IchNehmsOhne-Verpackungen? Klopapier? Zeitung? Glas? Am Ende haben wir uns dafür entschieden: Verpackung ist alles, was in den gelben Sack kommt!

Ich stiefel also los zum Supermarkt. Halb verdurstet greife ich zur Bionade. Halt! Stopp! Darf ich das überhaupt? Okay, die Flasche ist aus Glas. Aber fällt Glas jetzt nicht auch unter „Verpackung“?  Total verwirrt hilft nur noch eines – Google. Das spuckt folgende Definition für Verpackung aus.

Einweg-Mehrweg-PET – Verwirrung pur!

Na super, aber beim Begriffswirrwarr Einweg- Mehrweg-Petflasche hilft diese Definition nun mal gar nicht! Dass ich als sensibilisierter Nachhaltigkeitsfan das nicht aus dem Ärmel schütteln kann…ist schon ein bisschen peinlich. Also nochmal ins Netz. Und zwei Stunden später…voila, das Ergebnis meiner Recherche – garantiert ohne Verpackung!

Grobe Faustregel: Einwegflaschen – 25 Cent Pfand. Mehrwegflaschen – 8 oder 15 Cent.

2014-01-09 16.08.00Seit 2003 müssen wir für Einwegflaschen Pfand bezahlen. Wer kann sich noch an die Bons erinnern, diese kleinen Pfandmarken? Und das lästige Flaschensammeln, die beim gleichen Laden wieder zurückgegeben werden mussten bei dem man sie gekauft hatte. Bis das sogenannte einheitliche Rücknahmesystem eingeführt wurde. Seither müssen alle Läden mein Einwegpfand annehmen, wenn sie Pfandflaschen aus dem gleichen Material verkaufen. Marken spielen dabei keine Rolle.

In meiner Recherche stoße ich direkt auf das Pfandgesetz, gähn, ziemlich abschreckend. Ich komme zwar aus einer Juristenfamilie, aber so richtig spannend fand ich das mit den Paragraphen nie. Aber interessant ist, dass es keine internationalen Pfandregelungen gibt.

Auf welchen Flaschen ist Pfand?

In Deutschland müssen wir Pfand für folgende Flaschen zahlen: Bier, Mineralwasser, Erfrischungsgetränke und alkoholische Mischgetränke. Allerdings nur, wenn sie in „ökologisch nicht vorteilhaften Verpackungen“ stecken, wie Plastik oder Glas. Und sie ein Füllvolumen von 0,1 Liter bis 3 Liter haben.

Werden Einwegflaschen eigentlich auch recycelt?

50% der PET-Einwegflaschen werden in Deutschland wieder eingeschmolzen. Aus dem Material werden dann neue Flaschen hergestellt. Die anderen 50% der PET-Flaschen werden vor allem nach Asien exportiert. Daraus werden dann zum Beispiel Polyesterfasern gemacht. Mehr dazu hier: Lesenswert Vielleicht trage ich gerade meine eigenen Flaschen…?

Wofür steht eigentlich PET?

PET steht für Polyethylenterephthalat. Ein Kunststoff, der zu den Polyesterarten gehört.

Wie oft werden Mehrwegflaschen wiederbefüllt?

Mehrwegflaschen können sowohl aus Glas als auch aus PET-Material bestehen. PET-Flaschen sind allerdings umweltfreundlicher, da sie leichter beim Transport sind. Glasflaschen können bis zu 50 Mal wieder befüllt werden, PET-Mehrwegflaschen bis zu 25 Mal.

Auf welchen Flaschen ist KEIN Pfand?

Pfandfrei bleiben in Deutschland Frucht- und Gemüsesäfte, Milch und Wein, sowie „ökologisch vorteilhafte Einweg-Getränkeverpackungen“ wie zum Beispiel Getränkekartons  (siehe Verpackungsverordnung).

Kann ich Weinflaschen wieder auffüllen lassen?

Leider muss ich mich auch diese Woche von meiner Lieblingsweintraube Malbec verabschieden. Im Weinladen um die Ecke kann ich sie nicht nachfüllen. Warum? Die Antwort meiner Weinhändlerin war nicht sehr zufriedenstellend. Bis vor einigen Jahren gab es lediglich Nachfüllfässer für Spirituosen, aber leider ist die Nachfrage zurückgegangen. Deshalb hätten viele Weinhändler die Nachfüllfässer wieder aus dem Sortiment genommen. Über Tipps wo man vielleicht doch noch offenen Wein bekommt freuen wir uns!

Flaschen-Logos:

Deutsche Umwelthilfe

Quelle: Deutsche Umwelthilfe

Einwegflaschen müssen IMMER mit dem Logo der DPG (Deutsche Pfandsystem GmbH)  gekennzeichnet werden. Der einheitliche Pfandpreis für Einwegflaschen liegt bei 25 Cent pro Flasche. Auf den Mehrwegflaschen gibt es einen Aufdruck „Mehrweg“ oder die Etiketten „Der blaue Engel“ und „Mehrweg – für die Umwelt“. Für Mehrwegflaschen muss man entweder 8 Cent oder 15 Cent zahlen.

Logos auf Pfandflaschen – Durchblick.

Also, wenn ihr nun immer noch ein bisschen verwirrt seid – es ist kompliziert! Vielleicht hilft dieses Zitat vom ehemaligen Präsidenten des Umweltbundesamts, Jochen Flasbarth, bei der Entscheidung Mehr-, Einweg-, Ausweg?

„Nach wie vor ist Mehrweg die richtige Entscheidung für die Umwelt. Mit der Pfandpflicht für Einwegbehältnisse konnten aber auch Umweltverbesserungen erreicht werden.“

Julia

Mehr Infos zum Nachlesen:

Wer Paragraphen mag, die Verpackungsverordnung: http://www.gesetze-im-internet.de/verpackv_1998/index.html

Evaluierung der Verpackungsverordnung: http://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/461/publikationen/3932.pdf

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Über ichnehmsohne

Der Blog wird verantwortet und geführt von Julia, Miriam und Christine.
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7 Antworten zu EINweg, MEHRweg, AUSweg?!

  1. Fussel schreibt:

    „Mehrwegflaschen können sowohl aus Glas als auch aus PET-Material bestehen. PET-Flaschen sind allerdings umweltfreundlicher, da sie leichter beim Transport sind. Glasflaschen können bis zu 50 Mal wieder befüllt werden, PET-Mehrwegflaschen bis zu 25 Mal.“

    Die Aussage „PET-Flaschen sind umweltfreundlicher“ bezweifele ich. Grad kürzlich hab ich gelesen, dass PET-Flaschen nur dann wiederbefüllt werden, wenn sie vorher nur Wasser enthielten. Bei allen Getränken, die irgendwie Fruchtsaft oder andere Zusätze (Limo etc.) enthalten hätten, würde die PET-Flasche nicht wiederbefüllt, sondern recycelt.
    Das hat mich ganz schön geschockt – auch wenn ich aus anderen Gründen bereits auf PET verzichte.
    Dazu kommt, dass sich Glas, wenn es denn mal recycelt werden muss, viel leichter und vollständiger recyceln lässt als Plastik.

  2. Ulli Schauen schreibt:

    Hi Julia,
    Die Aussage „Es ist kompliziert“ plus ein Quote als Empfehlung ist mir als Resumé dieses Blogeintrags ein bisschen zu wenig. Was ist denn nun die Empfehlung?
    Da gab es mal die Äußerung, dass Mehrwegflaschen mehr Ressourcen verbrauchen (könnten) als die sogar die Einweg-Pet-Flaschen. Weil die ganzen Flaschen zum Wiederbefüllen hin und her transportiert werden müssen. Und weil es viel Energie kostet, Glas zu schmelzen.
    Und dann gibt es dieses mexikanische Bier in (angeblichen) Mehrwegflaschen aus Glas.
    Die Energiebilanz muss doch mal jemand durchgerechnet haben, damit es nicht immer bei diesem „einerseits/andererseits“ bleiben muss.
    Wisst Ihr denn zufällig, was in der Hinsicht der aktuelle Stand der Forschung ist?

    • ichnehmsohne schreibt:

      Hi Ulli, vielen Dank für Deinen Kommentar und Deine Fragen / Anmerkungen. Folgende Faktoren spielen damit rein:
      – Wiederbefüllbarkeit der Flaschen (Glas rund 50 Mal, Plastik rund 25 Mal)
      – Gesundheitsaspekt (Plastikflaschen enthalten Chemikalien wie z.B. Acetaldehyd – wie schädlich das ist ist umstritten, aber es ist drin! Glasflaschen hingegen haben keine chemische Wechselwirkung mit dem Inhalt)
      – und Transportweg – Glas ist schwerer – beim Transport wird mehr Enegrie verbraucht
      Deshalb schließen wir uns der Empfehlung der Deutschen Umwelthilfe an (http://www.duh.de/1168.html):
      Kauft wiederbefüllbare Mehrwegglasflaschen aus der Region. Der Transportweg ist kürzer, sprich man verbraucht weniger Benzin. Zusätzlich können Glasflaschen bis zu 50 Mal wiederbefüllt werden. Und last but not least, aus Glasflaschen zu trinken, ist gesünder.
      Falls jemand unserer Leser genaue Studien zur Energie/Ökobilanz vom Tranportweg von PET-Flaschen im Vergleich zu Glasflaschen hat – gerne, wir freuen uns! Liebe Grüße Julia

  3. Hallo Evamel, hallo Nora,

    das ist eine gute Idee mit „vom Fass“. Ich habs noch nicht probiert, werde es aber diese Woche mal probieren und dann von den Erlebnissen berichten! (cw)

  4. Nora schreibt:

    Und? Machr ihr weiter??? Bin gespannt….

  5. evamel schreibt:

    Zum Thema Wein: Habt ihr es mal bei Läden wie „vom Fass“ (https://www.vomfass.de/) probiert? Meines Wissens nach kann man sich – wie der Name schon sagt – den Wein direkt vom Fass in ein eigenes Behältnis füllen lassen.

    • Fussel schreibt:

      „Vom Fass“ bekommt seine Sachen in Plastiksäcken, also auch den Wein. Die schönen Ton- und Holzfässer sind nur Deko. Wenn man genau hinguckt, guckt an einem Loch der Plastikhahn raus und wenn man den Deckel anhebt, grinst einen der Plastikschlauch an…

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